UNSERE (SÜD)PFÄLZER

Vor Kurzem hatten wir Ihnen hier erzählt, warum wir die Südpfalz so sehr lieben. Und dass die Pfälzer dafür sorgen, dass wir uns hier pudelwohl fühlen.

Warum und was genau sie so liebenswert macht? Das erfahren Sie heute:

Was jedem Besucher sofort auffällt, ist die:

Kontaktfreudigkeit

Eine Woche nach unserem Einzug sprach uns ein Nachbar an. Er hätte unseren Umzug bemerkt.
Unsere gestammelte Entschuldigung wegen Lärm, Müll, Kran vor der Terrasse und Umzugswagen in der Garageneinfahrt beantwortete er mit einem leicht amüsierten Kopfschütteln.

“Das ist doch normal bei einem Umzug. Alles gut. Meine Frau und ich haben uns nur überlegt, dass Sie ja völlig fremd hier sind. Wir laden Sie daher gerne zu uns ein. Wann passt es Ihnen? Mittwoch, Donnerstag oder Freitag nächste Woche?”

“Und bitte nichts mitbringen. Gerne dürfen Sie auch in Jogginghose und Hausschuhen die zwei Treppen zu uns kommen”

Puh, sowas haben wir in Deutschland noch nicht erlebt.

Und so saßen wir ein paar Tage später tatsächlich im Wohnzimmer unserer neuen Nachbarn. Es wurde ein langer und sehr geselliger Abend.

In den Monaten danach purzelten Einladungen zum Grillen, Weintrinken, Martinsgansessen, für Fußballabende und Geburtstage ein. Sogar zu einer Hochzeit!

Auffällig: auch “gewachsene” Freundeskreise öffnen sich und nehmen uns Neuankömmlinge gerne auf.

Wir haben in Nullkommanix neue Freunde gefunden. Und dabei gemerkt, was hier auch noch zählt. Die:

Zuverlässigkeit

Ein Wort ist ein Wort. Und einem “Wir müssen uns mal treffen” folgt stets kurzfristig auch eine konkrete Einladung. Einem “Sobald es kalt ist, koche ich euch Dampfnudeln mit Gulasch” folgt ein genussvoller Pfälzer Tag.

 

Geschäftspartner lassen ihr Geld bei ihren Geschäftspartnern. Also buchen bei uns dann auch die Zimmer für ihre Gäste. Oder kommen mit ihren Mitarbeitern in die Weinbar. Frühstücken hier. Empfehlen uns weiter.

Freunde sammeln dich bei einer Panne von der Straße auf. Oder halten die Stellung, wenn Handwerker nach Hause kommen und wir im Hotel gebraucht werden. Sie kellern bei Bedarf und putzen auch, wenn es mal eng wird. Bezahlung? Fehlanzeige!

Auch die Familienmitglieder unsere Maximilianer/innen haben schon mit angepackt.

Und das Loblied auf “unsere” Pfälzer geht weiter mit ihrer:

Offenheit/Gastfreundschaft/Lebensfreude

Wenn an einem Vierertisch sechs Leute sitzen und die Wirtin sagt, “Rutscht mal zusammen, da kommen noch drei”, dann sind Sie in der Pfalz.

Apropos “SIE”. Hier sind alle per “DU”. Man trinkt auch aus dem selben Glas. Das Dubbeglas ist extra zum Rumreichen gedacht. Und während mein Mann beim Weinfest noch nach Getränken ansteht, haben mir längst wildfremde Menschen ein Glas in die Hand gedrückt und gut gefüllt.
Aus Weinfestbekanntschaften werden nicht selten gute Bekannte oder sogar Freunde.

 

Wir sagen unseren Gästen im Hotel immer wieder, wenn Sie den Weg nicht kennen, einfach stehen bleiben und hilflos schauen. Es kommt ungefragt mindestens ein Pfälzer und zeigt Ihnen, wo es lang geht.
Sie sollten nur Zeit mitbringen. Denn meist bekommen Sie noch Familienfotos gezeigt. Oder eine Stadtführung.

Hier herrscht “WILLKOMMENs-Kultur” im Sinne des Wortes. Gäste von uns wurden schon mal von ihnen unbekannten Menschen mitten in der Nacht vom Nachbarort nach Landau zum Hotel gefahren, weil kein Taxi zu bekommen war.
Zu fünft. In einem Käfer 😉

Es wird wirklich viel gefeiert. Gewandert. Gegessen. Getrunken. Die Pfälzer sind lebensfrohe und gesellige Menschen. Auch wenn sie nicht jeder versteht, die:

Sprache

Wir haben hier schon mal darüber berichtet. Der Dialekt ist nicht für jeden gut zu verstehen. Wir kommen (zwischenzeitlich) gut klar.

Die Pfälzer setzen ihn auch selbstbewusst ein.
Ein typischer Dialog, wenn zwei aufeinander treffen, ist (und wir haben das selbst wirklich genau so erlebt):

“Unn?”

“Jo. Unn selbscht?”

“A Jo”

“Alla”

Sehr ökonomisch wurde hier das jeweilige Befinden des Gegenüber abgefragt. Mit “alles in Ordnung”  beantwortet. Und damit ist es gut. Nicht selten wird dann ein Schorle eingeschenkt. (Ja, es heißt EIN Schorle. DER Schorle.)

An so einer Situation erkennen Sie, die Pfälzer haben wirklich viel:

Humor

Hier trinkt man Schoppen. Sie werden nie gefragt, ob Sie ein Achtel oder Viertel möchten. Oder einen kleinen oder großen Schorle. Alles immer groß. Und stets reichlich über dem Eichstrich.

 

Sollten Sie dennoch 0,1-l Wein bestellen, kann ihnen Folgendes passieren.

Der Wirt sagt: “Kumm wieder, wennd Durschd hasch” oder “Homöopathie gibts in der Apotheke”.

Oder: “So die Dame, hier ihr 0,1 – Weißwein. Und dazu das Malbuch und die Buntstifte” 🙂

(Alles haben wir schon genauso erlebt)

 

Das “Rezept” für ein Pfälzer Schorle ist übrigens immer gleich: Vier Finger breit Wein. Vier Finger breit Wasser. Keep it simple.
Wer jetzt halb/halb erwartet, wird eines Besseren belehrt:

 

 

Und falls Ihr Tisch im Weingarten noch nicht abgewischt ist. Bitte sehr. Zur “Selbstbedienung”:

 

Auch die Werbung geht hier anders. So überrascht uns unsere Sparkasse aktuell mit dem obigen Dialog als Werbung:

 

 

An den Bussen steht zum Feierabend auf der Fahrt ins Depot in Edenkoben nicht wie üblich “Leerfahrt” sondern:
“NIX WIE HÄM”.

Und die Geschwindigkeitskontrollen in den Dörfern der Südlichen Weinstraße mahnen nicht mit “Langsam” sondern mit: “UFFBASSE”.

 

Wir müssen dann immer lachen. Und: es wirkt!

 

Und Sie, wie finden Sie unsere Pfälzer?

Sie kennen die noch gar nicht? Allahopp! Wir sehen uns…

 

Ihre

Petra Hirsch

 



MEHR BLOGBEITRÄGE ZU DIESEM THEMA:

Allahopp und Allagut – der Pfälzer Dialekt”
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