MAXiMiLiANS GENUSSTiPP – PFÄLZER DAMPFNUDELN

“Dampfnudele” oder “Dampfknepp”? Einseitig oder beidseitig gebraten? Darüber herrscht breite Uneinigkeit.
Doch ganz egal wie es genannt und genossen wird – Es ist und bleibt des Pfälzers Leibgericht!
Sie finden sie daher auf jedem Weinfest. Auf dem Wochenmarkt. Den Pfälzerwald-Hütten.
Wir wagen das Experiment ….

Schon oft haben wir heimlich die Gäste am Nachbartisch in der Waldgaststätte “Friedensdenkmal” beobachtet. Wie sie genussvoll schlemmen. Denn Dienstag ist Dampfnudeltag. Doch ehrlich? Lecker sah das für uns nicht aus.

Da stehen oft ein Teller mit einer gelblichen Suppe, eine Schale mit einer ebenfalls gelblichen Sauce. Dazu blasse Hefeklösse. Die dann abwechselnd eingetunkt werden. Das genussvolle Schmatzen und Grunzen konnte wir nicht wirklich nachvollziehen.

Doch wir leben und arbeiten nunmal hier. Dann müssen wir das auch mal probieren. Zumal auch Freunde uns davon vorschwärmen. So viele Menschen können doch nicht irren!

Was tun? Richtig: wir laden uns einfach bei den Freunden ein. Die uns wenige Tage später mit der zwischenzeitlich gewohnten Pfälzer Herzlichkeit empfangen.

Der Tisch ist liebevoll gedeckt. Auf dem Herd brodeln zwei Töpfe. Daneben stehen zwei Schüsseln mit einer gelblichen und einer gelb-grünlichen-Sauce. Und auf der Arbeitsfläche ruhen Massen an Teilchen unter Handtüchern. Wer bitte soll das alles essen?Wir sind gespannt.

Unsere Freundin ist eine waschechte Pfälzerin. Und bei ihrer Oma in die “Lehre” gegangen. Dementsprechend fällt auch ihre Antwort auf die Rezeptfrage aus:

  • ca. 500 Gramm Mehl
  • 1 Würfel Hefe
  • etwas Zucker
  • Warme Milch nach Gefühl

?????

Doch nun geht es zur Sache. In einer Pfanne wird Margarine geschmolzen. “Wieviel?” frage ich. “Nach Gefühl!” lautet die Antwort. Dann kommen Salz und Wasser dazu. Sie ahnen es: nach Gefühl 😉

Wenn alles schön blubbert, werden die Teilchen hineingesetzt und der Deckel kommt drauf. Wie lange? Fragen Sie mich bitte nicht. Hier läuft alles “nach Gefühl”.

Nach einer Weile – wenn es “krischbeld” und sich eine “Kruschde” gebildet hat – wird gewendet. Ja: unsere Nussdorfer Freundin ist eine Verfechterin der “Doppelkruschbe”.

 

Jetzt kommen die Töpfe und Schüsseln auf den Tisch. Ein leckerer Pfälzer Wein wird eingeschenkt. Und schon kommt die erste Platte mit Dampfnudeln aus der Küche.

Der erste Biss. MHM!!!!!!!!! Knusprig. Salzig. Weich. Warm. OBERLECKER!

Wir sind tapfer und kosten alles dazu. Die Grumbeersupp (Kartoffelsuppe). Die Woisoß (Weinsauce). Die Vanillesoß.
Na ja: ohne alles haben die Dampfnudeln am besten geschmeckt.

Doch jetzt wird der zweite Topf gelüftet. Und das Herz der Thüringerin geht auf :-).
Glück gehabt. In Nussdorf isst man traditionell auch noch Gulasch zu den Dampfnudeln. Was soll ich sagen: HIMMLISCH!

Jetzt wird geschlemmt. Alle lachen über mich. Ich hatte mich mit 1 bis 2 “Klößen” einplanen lassen. Am Ende werden es 6 1/2 Dampfnudeln. 😉 Und ein herrlicher gastfreundlicher Nachmittag.

Und weil ich nun “Blut geleckt” habe, wird die Selbsteinladung von mir kurzerhand zum Ritual für den Herbst und den Frühling erklärt :-).

Ich frage für meine Leser nach dem Rezept für die Woisoß (Kartoffelsuppe und Vanillesauce kann jeder). Die Antwort überrascht nicht:

“Aller Rezepte zum Trotz KEIN Wasser! Nur Wein! Riesling! Reichlich! Eigelbe, Eier, Zucker, Puddingpulver.” Genau: nach Gefühl. “Kurz aufkochen lassen”. Thats all.

Wir bleiben beim herrlich zarten Rindergulasch. Von der Freundin klassisch mit viel Zwiebeln, Fleisch aus der Wade und ohne Anbraten lange gegart. Dazu die Salzig-knusprigen weichen Dampfnudeln… Ich könnte schon wieder 🙂

 

Wie genießen Sie Ihre Dampfnudeln? Oder wo gibt es die für Sie besten? Ich freue mich über zahlreiche Anregungen und Kommentare.

Und vor allem auf ein baldigen Wiedersehen in entspannten Zeiten.  Für dann empfehle ich Ihnen unbedingt eine Ausflug zum Friedensdenkmal.

 

Bis dahin verbleibe ich mit einem herzlichen – ZUM WOHL DIE PFALZ

Ihre Petra Hirsch

 

Maximilians Boutique-Hotel Landau

und

Maximilians Domizil Edenkoben

 

 

kommentare
  • Bettina wiebe 18.05.21 UM 11:55

    Liebe Frau Hirsch,
    diesen Beitrag zu lesen hat mir viel Spaß bereitet! Es ist immer wieder so spannend, in andere (Ess)Kulturen einzutauchen – und oft verwebt sich Kindheitserinnerung mit dem Hier und Jetzt.
    Obwohl wir ja schon einige Male in der Pfalz unterwegs waren und auch den Pfälzer Weinsteig schon gewandert sind, sind uns die Pfälzer Dampfnudeln seltsamerweise noch nicht untergekommen. Definitiv ein weiterer Grund für eine erneute Reise in die Pfalz!!!
    Über ein Original-Rezept für ein Thüringer Gulasch würde ich mich übeigens auch sehr freuen 🙂.
    Ganz liebe Grüße aus dem hohen Norden
    Bettina vom Captain‘s Dinner Blog

    • Petra Hirsch 27.05.21 UM 03:55

      Liebe Frau Wiebe,

      wie schön, von Ihnen zu hören. Und danke für die netten Worte. Wenn Sie das nächste Mal hier sind, organisiere ich so ein Dampfnudelessen für Sie. versprochen!

      Das Rezept fürs Gulasch gibts gerne. Es ist UNGARISCHES Gulasch, wie ich es in meiner Kindheit gelernt habe.
      Wichtig ist: Rinderwade! Oder anderes wirklich gut durchwachsenen Fleisch. Und die gleiche Menge an Zwiebeln.
      Die Zwiebelwürfel (nicht zu klein, eher aaumennagelgroß) werden in Schweineschmalz angeschmort und gesalzen. Dann kommt Rinderbrühe (eher wenig) dazu und Gewürze nach Wahl (Paprika, Salz, Pfeffer, Kümmel, Tomatenmark, Essig… Was sie halt mögen) dazu.
      Und erst wenn alles kocht, kommen die Fleischwürfel (auch gerne größer, ca. 3 cm Kantenlänge) da rein. (OHNE Anbraten).

      Dann ab in den Backofen (wie immer OHNE Deckel) und mindestens! 4 Stunden schmoren. Die Zwiebeln zerfallen. Die Sehen und FAsern sind aus dem Fleisch raus und machen die Soße wunderbar sämig. Das Fleisch ist butterzart!

      Dazu gibts klassisch eine Semmel. Oder böhmische Knödel. Kartoffeln gehen auch. Oder eben Dampfnudeln 😉
      Und ein Bier!

      Sollten Sie es probieren, freue ich mich über Ihre Rückmeldung. Und wünsche schon jetzt gutes Gelingen!

      Liebe Grüße von Hobbyköchin zu Hobbyköchin

      Ihre Petra Hirsch

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